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Geschichte der Vereinigten Schützengesellschaft St. Luzisteig (VSGL)

Im Zusammenhang mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Bundesschiessanlage St. Luzisteig im Jahre 1990 wurde zwecks Koordination und Organisation des zivilen Schiessbetriebes eine Trägerschaft unter dem Namen Vereinigte Schützen St. Luzisteig (VSL) gebildet. Die involvierten Trägervereine, Feldschützengesellschaft Fläsch, Militärschützenverein Maienfeld, Stadtschützengesellschaft Maienfeld sowie die Ortschützengesellschaft Jenins blieben jedoch weiterhin selbstständige Vereine. Sie hatten jedoch die Pflicht mindestens zwei Mitglieder der VSL als Vorstandsmitglieder oder Revisoren zur Verfügung zu stellen.

 

Im Laufe der Zeit musste festgestellt werden, dass die Besetzung der Vorstände sowohl bei der VSL wie auch bei den jeweiligen autonomen Vereinen immer schwieriger wurde. Man kam zur Überzeugung, dass mittels eines Zusammenschlusses der administrative Aufwand und somit auch der Bedarf an Vorstandmitgliedern reduziert werden könne. In der Folge schlossen sich im Jahre 2001, mit Ausnahme der Ortschützengesellschaft Jenins, die übrigen drei Schützenvereine zum gemeinsamen Verein zur Vereinigten Schützengesellschaft St. Luzisteig (VSGL) zusammen. Trotz des Zusammenschlusse blieben die drei VSGL- Gründervereine bis zu einem gewissen Grade selbstständig. Gegenüber dem SSV, BSV, USS und dem SAT treten sie jedoch nicht mehr selbständig auf, d.h. die Vertretung gegen aussen liegt einzig bei der VSGL.

 

Seit ihrer Gründung war die VSGL für die Organisation und Durchführung verschiedener Schiessanlässe - wie Ostschweizer Mannschafts Meisterschaft (OMM) und den Final der Ostschweizer Jungschützengruppenmeisterschaft (OJGM) - verantwortlich. Ferner waren sie beim Bündner Kantonalschützenfest (KSF) von 2007 als Lokalkomitee für das dezentralisierte Schiessen auf St. Luzisteig zuständig.

 

An der Vereinsversammlung vom 16.02.2018 wurde einstimmig beschlossen, in den Jahren 2019 bis und mit mindestens 2022 das STEIG - SCHIESSEN durchzuführen. Dieser Entscheid zeigt, dass die Fusion von 2001 ein Schritt in die richtige Richtung war und die VSGL bereit ist, auch zukünftig ihren Beitrag zur Förderung und Erhaltung des Schiesswesens zu leisten.

 

Um die jahrhundertalte Geschichte der Herrschäftler-Schützen einigermassen zu würdigen ist es an dieser Stelle angebracht,einiges aus der Vergangenheit der drei VSGL-Gründervereine zu berichten.

 

Stadtschützengesellschaft Maienfeld

1636     Erste Schützenordnung der „Ehrsamen Schiessgesellschaft der Stadt Mayenfeld“.

1794     Wird berichtet, dass die Mayenfelder Miliz vortrefflich exerziere und sich gegenüber regulären Truppen nicht zu schämen brauche.

1882     Nach der Gründung des Bündner Kantonalen Schützenverbandes (18.12.1881) organisierten die Stadtschützen das 1. Kantonale            
              Schützenfest vom 18. bis 22. Mai 1882.

Später wurde ihnen auch die Durchführung der Bündner Kantonalschützenfeste von 1903 und 1936 übertragen.

 

Nebst der Durchführung der oben erwähnten KSF wurde 1953 ein Freischiessen sowie 1961 das Jubiläumsschiessen „325 Jahre Stadtschützen“ organisiert.

 

Feldschützengesellschaft Fläsch

Die „Ehrsame Schiessgesellschaft von Fläsch“ soll sich 1753 für die Schiessordnung der Stadtschützen Mayenfeld interessiert haben. Somit ist davon auszugehen, dass damals auch in Fläsch bereits eine Schiessgesellschaft bestand und während Jahrzenten eifrig geschossen wurde. 

 

Dies bestätigte der Grossen Rat des Kantons Graubünden welcher  in einer Proklamation 1830 unter anderem folgendes festhielt: „ein erfreulicher Beweis vaterländischer Gesinnung in solchen Zeiten war das Anerbieten der Schützengesellschaften von Chur, Maienfeld und Fläsch, auf die Tage der Gefahr ihre Dienste dem Vaterlande zu widmen und sich in dieser Hinsicht zur Verfügung der Landesregierung zu stellen“.

 

Bis Ende des 19. Jahrhundert bestand oberhalb des Dorfes ein einfacher Schiessstand mit offenen Scheiben ohne Zeigerstand. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde unterhalb des Dorfes ein Schiesstand errichtet. Dieser wurde erst 1990, nach dem Bau der Bundesschiessanlage St. Luzisteig, ausser Betrieb gesetzt.

 

Militärschützenverein Maienfeld

Einer Überlieferung zufolge soll der Militärschützenverein zum Zwecke der Wehrbereitschaft ausser Dienst bereits 1804 gegründet worden sein. Leider sind für den Zeitraum zwischen 1804 bis 1894 keine Unterlagen mehr zu finden. Einer zuverlässigen Quelle ist jedoch zu entnehmen, dass der Verein mit Sicherheit bereits im Jahre 1877 bestand. Das erste noch vorhandene Vereinsprotokoll stammt vom 17.03.1895.

 

Dem Protokoll vom 9.06.1896 ist sodann zu entnehmen, dass bereits damals erste Ideen bestanden, in den Martinsbrunnen einen eigenen Schiessstand zu errichten. Da der „hiesige Gemeinderath“ nichts gegen den von den Militärschützen in Aussicht genommenen Schiessplatz in den Martinsbrunnen einzuwenden hatte, wurde das erste Übungsschiessen in den Martinsbrunnen auf den kommenden Sonntag, 14. Juni 1896 angesetzt. Dies obwohl noch keine „Zeigerschutzwehr“ vorhanden war. 

 

Im Protokollbuch wird für den Zeitraum zwischen 1896 und 1910 wird immer wieder festgehalten, dass im Schiessstand Martinsbrunnen Zeigerwehren erstellt und Scheibenmaterial angekauft wurde. Allerdings gab es damals noch keinen überdachten Schützenstand. Dies bewog den Verein mit den Stadtschützen Kontakt aufzunehmen, um den Schiessplatz gemeinsam zu betreiben. Die Verhandlungen endeten in einem Vertrag vom 11. Januar 1911, worin die Stadtschützen den Militärschützen die Benützung ihres Schiessstandes in der Mühlebündte gegen entsprechende Abgeltung gestatteten. Nach dem Bau des Schützenhauses in den Martinsbrunnen im Jahre 1923 wurde der Benützungsvertrag erneuert. Mit dem Bau der Bundesschiessanlage St. Luzisteig im Jahre 1990 wurden die Militärschützen gleichberechtigt integriert und somit der Vertrag von 1923 hinfällig.

 

Maienfeld, 17. September 2018/Benjamin Bantli